Amateurfunk - was ist das ?

Zunächst einmal die etwas hölzerne, juristische Definition, die uns der Gesetzgeber notiert hat:

„Funkamateur ist, wer sich lediglich aus persönlicher Neigung und nicht in Verfolgung anderer,
 z.B. wirtschaftlicher oder politischer Zwecke mit Funktechnik und Funkbetrieb befaßt.

Funkamateure müssen in einer Prüfung ihre technischen, betriebstechnischen und gesetzeskundlichen Kenntnisse nachweisen.
Mit der dann erlangten „Berechtigung“ erhalten sie ein ganz persönliches “Rufzeichen“ mit dem der Funkamateur sich im Funkverkehr meldet.
Mit diesem „Rufzeichen“ ist der Betreffende gewissermaßen öffentlich bekannt.
Der Amateurfunk ist ein internationaler Funkdienst der nicht-kommerziell weltweit von Privatpersonen in der Freizeit betrieben wird.
Er ermöglicht die weltweite Kommunikation zwischen Amateurfunkstationen, also rund um die Erde und sogar zur Raumstation ISS.
Der besondere Reiz dieses Steckenpferdes ist neben der Kommunikation der technische Teil.
Obwohl es im Handel eine Vielfalt von Sende- und Empfangsgeräten einschließlich des Zubehörs gibt, werden Gerätschaften immer noch selbst gebaut.
Viele Erfindungen in der Informations- und Kommunikationstechnik wurden von Funkamateuren entwickelt.
Im Bereich Antennenbau wurde und wird viel selbst konstruiert und ausgemessen, dazu gehören vor allem Antennen mit optimierter Richtwirkung.
Funkamateure versuchen möglichst weite Verbindungen (DX = Distance) zu erzielen.
Solche DX-Gespräche oder Morsesendungen sind auch mit geeigneten Kurzwellen-Radios zu hören, der Amateurfunk arbeitet grundsätzlich in „offenen“ Betriebsarten.

Den Funkamateuren sind weltweit bestimmte Frequenzbänder zugewiesen,
innerhalb derer sie ihre Arbeitsfrequenzen je nach Betriebslage selber wählen können. Grob unterteilt sind dies die Frequenzbänder
    Langwelle (LW)
    Kurzwelle  (KW)
    Ultrakurz- und cm-Wellenbänder (UKW / UHF)

Auf dem UKW-Frequenzband wird selbstverständlich auch versucht möglichst weite Funk-Verbindungen zu knüpfen,
jedoch liegen die Reichweiten hier in der Regel im Bereich bis 1000 Kilometer,
das ist u.a. auch abhängig von der Höhe und der Richtwirkung der verwendeten Antenne.
 "In der Regel" - das heißt, es gibt Ausnahmen: Zum Beispiel bieten die Amateurfunk-Satelliten die Möglichkeit weitere Verbindungen auf UKW zu erreichen.
Diese umlaufenden, von Funkamateuren gebauten Satelliten empfangen Funk-Signale und senden sie auf einer anderen Frequenz wieder zur Erde zurück.
Somit können die Signale in einem großen Gebiet gehört werden, auch auf mehreren Kontinenten gleichzeitig.
Im kommerziellen Bereich ist das gleiche Verfahren z.B. durch Fernseh-Satelliten wie z. B. ASTRA bekannt.
Viele solcher Amateurfunk-Satelliten wurden schon in eine Erde-Umlaufbahn gebracht.
Manche sind nach Jahren im Orbit defekt, aber viele sind noch aktiv, einige sind zur Zeit im Bau; sie werden oft an Universitäten in Zusammenarbeit
mit den Organisationen der Funkamateure aus verschiedenen Ländern wie z.B. den USA, Russland, Japan und anderen Staaten,
aber auch Deutschland aufgebaut und als "Ballast" bei kommerziellen Flügen mitgenommen.

Funken bis zum Mond !
Ein natürlicher Satellit im Weltraum ist der Mond.
Seine Oberfläche lässt sich von Funkamateuren als "Reflektor" für UKW- Signale verwenden.
Solche Verbindungen nennt man EME-Verbindung (Erde-Mond-Erde).
Gerade bei dieser Betriebsart "via Mond" sind die Fähigkeiten des Funkamateurs gefordert:
Äußerste Stabilität der Sendefrequenz, extrem gute Bündelung der Sende- und Empfangssignale durch Richtantennen,
und vor allem hochempfindliche Empfangsverstärker werden benötigt. Diese Anforderungen können fast nur durch selbstgebaute Gerätschaften erfüllt werden.

Bestimmte atmosphärische Bedingungen machen Weitverbindungen im UKW-Bereich auch mit einfachem Aufwand möglich.
Das sind Inversions-Wetterlagen, z.B. Hochnebelwetter im Herbst, oder die im Hochsommer von Sonnen-Korpuskelstrahlen verursachte Ionisierung der Schichten
in ca. 100km Höhe über der Erde, „Rainscatter“ (Reflektion der Funkwellen an Schlechtwetterfronten) sowie „Meteor-Scatter“ (Reflektion an Meteoriten-Bahnen !!).
Bei solchen Spezialitäten muss man im Funkbetrieb flink sein, denn manchmal besteht eine Verbindung via Meteoriten nur für Sekunden;
hier unterstützen dann spezielle Computer-Programme die Langsamkeit des menschlichen Gehirns.

Auch auf dem Kurzwellen-Gebiet ist der Funkbetrieb von der Sonnen-Aktivität beeinflußt.
Die Ausbreitung der Funkwellen ist von Tag- und Nachteffekten abhängig.
Übersee-Verbindungen benötigen beugende und reflektierende Schichten in der Ionosphäre,
die von den Korpuskelstrahlen der Sonne ( Sonnenflecken !) erregt werden.
Bei guten Übertragungsbedingungen – wenn also die Sonne den Funkamateuren gut gesinnt ist – kann es durchaus geschehen,
dass ein Funkamateur das Echo seiner eigenen Morsezeichen hört,
wenn also sein z.B. nach Australien gerichtetes Morse-Funksignal nach einem kompletten Erdumlauf wieder bei ihm selber eintrifft.

Über was sprechen Funkamateure ?
Generell ist wohl die englische Sprache üblich – natürlich auch spanisch, wenn man an die Bevölkerung in Mittel- und Südamerika denkt.
Die „Sprache“ im Morse-Funkverkehr ist durch eine Vielzahl von Abkürzungen gekennzeichnet, die zum Teil aus dem offiziellen Gebrauch des Seefunks stammen.
Man wird sie im Betrieb sehr schnell lernen.
In dieser Art Stenografie ist es aber leicht, sich auch mit asiatischen Partnern gut zu verständigen – falls die Englisch-Kenntnisse auf beiden Seiten zu lückenhaft sind.
Man stellt sich mit Namen und Standort vor, spricht über die eigene Funkausrüstung und gibt die standardisierte Signalbeurteilung für den Funkpartner.
Es wird natürlich über technische Probleme diskutiert. Der Erfahrungsaustausch ist wichtig.
Berichte über gelungene Funkverbindungen sind immer interessant.

Bei schnellen Kurzverbindungen (Meteor-Scatter oder aber bei Funkwettbewerben) wird nur das Rufzeichen des Funkamateurs,
die Signalbeurteilung (unter Funkamateuren "Rapport" genannt) und unter Umständen noch der Standort,
ebenfalls in einem standardisierten, weltweit bekannten System genannt.

Wenn Zeit dazu bleibt kann ein Gespräch oder eine Morseverbindung auch etwas länger andauern.
Dann begrüßen und verabschieden sich Funkamateure wie bei einem Telefongespräch.
In den meisten Fällen werden diese Funkverbindungen dann mit QSL-Karten bestätigt.
Diese Karten, etwa im Postkartenformat, sollen alle technischen Daten der Funkverbindung enthalten:
Zeit, Frequenz, Rufzeichen, Betriebsart und "Rapport"; sie sind gewissermaßen die Visitenkarten des Funkamateurs.
Der Begriff  „QSL“ – ist ein Ausdruck aus den Abkürzungen des Morsetelegrafie-Betriebs.
Mit diesen QSL-Karten kann man Diplome beantragen, auf denen z.B. bestätigt wird, dass Funkverbindungen mit allen Ländern Europas
oder mit 100 oder mehr Ländern auf der Erde Funkkontakte durchgeführt wurden. Diplome sind bei Funkamateuren beliebt.
Die QSL-Karten werden weltweit und oft kostenfrei von den Amateurfunk-Dachorganisationen gesammelt und versendet.

Die UKW-Station unserer Klubstation mit dem Rufzeichen DLØTZ besteht aus Sende – Empfängern
für das 2-Meter- und das 70cm-Amateurfunkband, einem KW-Empfänger mit Aktivantenne und einem zuschaltbaren Computer.
Für das Funkamateur-Frequenzband im 50MHz-Bereich (Wellenlänge 6-Meter) steht seit neuester Zeit eine drehbare Richtantenne auf dem Dach
und ein moderner Sende - Empfänger im Arbeitsraum.
Auf dieses Frequenzband sind die Funkamateure besonders gespannt,
weil es bei entsprechender Sonnenaktivität ungeahnte, erdumspannende Verbindungen ermöglichen wird – wie gesagt,
wenn die liebe Sonne mit ihren Sonnenflecken uns gnädig ist.

Im 10-Meter-Band, im 2-Meter-Band sowie im 70cm-Band gibt es Relaisstationen.
Sie ermöglichen die Funk-Reichweite zu vergrößern und werden sehr häufig im Mobil-Betrieb, zwischen Funkstationen in Fahrzeugen benutzt.
Das funktioniert so:
Man "öffnet" eine Relaisstation mit einem Rufton (d.h. man schaltet sie ein), danach empfängt diese Relaisstation Aussendungen auf ihrer Eingabefrequenz
und gibt sie auf einer anderen, der genau zugehörigen Ausgabefrequenz wieder ab.
Die andere Station antwortet ebenfalls auf der Eingabefrequenz der Relaisstation, und das auf die Ausgabefrequenz umgesetzte Sprachsignal
wird vom ersten Funkamateur wieder abgehört.
Dazu benötigen die Gesprächspartner Funkgeräte welche so einstellbar sind, dass sie auf der Eingabefrequenz der Relaisstation senden
und bei Empfang automatisch auf die Ausgabefrequenz der Relaisstation umschalten.

Dieser sehr kurz gefasste Überblick zeigt, dass Amateurfunk ein vielseitiges Hobby ist und sich nicht auf belangloses Reden beschränkt.

Otto Krüger, DJ2EU